Geschichte

Am 4. November 1905 fand in Berlin die Gründungsversammlung für den zu errichtenden Lyceum-Club statt. Aus London war Constance Smedley angereist. Das Gründungskomitee wählte die deutsche Frauenrechtlerin und Sozialpolitikerin Hedwig Heyl (1850-1934) zur Vorsitzenden des Lyceum-Clubs Berlin. Die Schirmherrschaft über den Berliner Club übernahm die Königin von Rumänien, Elisabeth Prinzessin zu Wied ( 1843-1916), auch bekannt unter ihrem Künstlernamen Carmen Sylva.

Seine Aufgabe sah der Lyceum-Club Berlin darin, künstlerisch und wissenschaftlich tätigen Frauen durch Veröffentlichungs- und Ausstellungsmöglichkeiten ein Forum zu bieten.Über Verbindungen zu ausländischen Verlegern, Redakteuren, Agenturen und Kunsthändlern wurden internationale Kontakte geknüpft. Ein Auszug aus der Liste der Mitglieder spiegelt das Engagement des Clubs wieder: Gertrud Bäumer, Helene Lange, Marie-Elisabeth Lüders, Marie Raschke, Alice Salomon, Helene Stöcker, Agnes von Zahn- Harnack, Käthe Kollwitz, Bertha von Suttner und Clara Viebig.

Das erste nach englischem Vorbild gestaltete und geführte Clubhaus befand sich in der Potsdamer Straße 118b. Dort trafen sich die Frauen zum Lunch, es gab ein Lesezimmer, ein Kaminzimmer, einen großzügigen Garten und ein Billardzimmer.

Im Jahre 1908 organisierte Hedwig Heyl zusammen mit den Mitgliedern des Lyceum-Clubs Berlin eine internationale Volkskunstausstellung in den Räumen des Kaufhauses Wertheim am Leipziger Platz. 1912 folgte die Organisation der Ausstellung „Die Frau in Haus und Beruf“ auf dem Gelände am Zoologischen Garten. Beide Ausstellungen waren ein großer Erfolg und verhalfen dem Lyceum-Club Berlin zu großem Ansehen und entsprechender Popularität. Ebenso unterstützte der Club ab 1912 den Verein „Krankenhaus weiblicher Ärzte“ und wurde Mitinhaber dieser Anstalt.

Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges änderte sich das Profil des Lyceum-Clubs Berlin. Die Mitglieder riefen eine sog. Mittelstandsküche ins Leben, die Bedürftige aus der ganzen Stadt versorgte. Es wurden Näh- und Stricknachmittage im Clubhaus abgehalten, um die Soldaten mit Kleidung zu versorgen. Die Verbindung des Clubs zu anderen europäischen Clubs waren fast abgebrochen, lediglich die Kontakte zu den neutralen Ländern Schweiz, Schweden und Holland blieben bestehen.

Am 30. November 1918 erlangten die Frauen in Deutschland mit der „Verordnung über die Wahlen zur Verfassungsgebenden deutschen Nationalversammlung (Reichswahlgesetz)“ aktives und passives Wahlrecht. Der Lyceum-Club Berlin reagierte sofort und bot politische Bildungskurse für die Mitglieder an.

Im Jahre 1920 gab Hedwig Heyl das Vorstandsamt ab. Sie wurde Ehrenvorsitzende des Clubs. Von nun an leitete ein mehrköpfiges Gremium den Club. Die Clubaktivitäten wurden in sog. Kommissionen eingeteilt: es gab die Kommission für Wandern und Sport, für Musik, für soziale Fragen, für Kunst und Kultur. 1928 hatte der Club 1.100 Mitglieder. Unter ihnen befanden sich so prominente Persönlichkeiten aus Hochadel und Adel sowie Künstlerinnen und Damen des Bürgertums.

Luise Marelle, Schriftführerin des Lyceum-Clubs Berlin eröffnete im Jahre 1928 im Kaufhaus Wertheim die vom Club organisierte Ausstellung „Alte Kulturwerte aus deutschen Städten“. Fünf Jahre vor der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten weist die Wortwahl bei ihrer Ansprache zur Ausstellungseröffnung schon erstaunlich deutlich auf noch kommende unheilvolle Zeiten hin: Luise Marelle spricht von „Deutschlands Gauen“, „stolzes Gedenken“ und von „tiefen Wunden, die man dem Vaterlande schlug“.

Ihre 1933 erschienene Publikation „Die Geschichte des Deutschen Lyceum-Clubs und seine Aufgaben in Gegenwart und Zukunft“ offenbaren, dass nun auch für den Club neue Zeiten angebrochen sind. Dies trifft insbesondere die vielen jüdischen Künstlerinnen, die im Lyceum-Club Mitglied waren. Unter welchen Umständen sie den Club verlassen haben bzw. verlassen mussten, darüber gibt es leider keine belegten Aussagen. (Hinweis: Zum 100jährigen Bestehen des Lyceum-Clubs Berlin hat der Club eine Festschrift herausgegeben, in der die Lebensläufe und Werke auch einiger dieser Künstlerinnen gewürdigt werden).

Im Januar 1937 zählte der Club nur noch 600 Mitglieder. Da das aufwendige Clubhaus am Lützowplatz nicht mehr zu halten war, übersiedelte man 1939 nach Dahlem. Der Club wurde dem Deutschen Frauenwerk (DFW) angegliedert. Das DFW diente als Sammelbecken für die gleichgeschalteten bürgerlichen Frauenbewegungen und wurde 1933 zusätzlich zur nationalsozialistischen NS-Frauenschaft gegründet. Beide Organisationen wurden geleitet von der Reichsfrauenführerin Gertrud Scholtz-Klink. Diese war es auch, die 1939 das Clubhaus in Dahlem zum Offiziers-Lazarett umwandelte. Das aktive Clubleben war damit beendet.

Am 1. Januar 1956 wurde der Lyceum-Club Berlin unter der Leitung von Johanna von Siemens und Ingeborg Brücker neu gegründet. Seit 1963 finden im dreiwöchigen Abstand die Clubnachmittage im „Hotel am Zoo“ am Kurfürstendamm statt.

Seit Juli 1990 gibt es eine lebendige Partnerschaft mit dem Lyceum-Club in Troyes. Höhepunkt des Berliner Clublebens in den letzten Jahren waren die Feierlichkeiten zum 100jährigen Bestehen des Clubs im Mai 2005 unter der Schirmherrschaft der Frau des deutschen Bundespräsidenten, Eva Luise Köhler.

Der Lyceum-Club Berlin hat zur Zeit 90 Mitglieder, die aktiv am Clubleben teilnehmen. In der Hauptstadt Berlin ein interessantes Clubprogramm zu erstellen fällt nicht schwer. Die Begegnung mit Persönlichkeiten aus Politik, Kunst und Kultur und wissenschaftlichen Einrichtungen steht im Mittelpunkt des Clublebens. Und dann gibt es da noch: Reisen, Museumsführungen, Sprachkurse, Wanderungen und und und……